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Hallo und herzlich Willkommen auf meinem Blog.

Hier könnt ihr sehen, was ich in dem Jahr hier in Israel und Palästina so treibe.

Viel Spaß beim Lesen und Schauen!

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Zeit ist ja immer relativ. Und hier in der Gegend scheinbar noch mehr als woanders. So ist es auch mit der Zeitumstellung. Bei den 30° draußen mutet es etwas seltsam an, auf Winterzeit umzustellen. Aber Yom Kippur steht vor der Tür und da soll die Sonne lieber eine Stunde früher untergehen, damit man an diesem Fastentag früher wieder essen und trinken darf. Und so wird rechtzeitig die Uhr heute Nacht umgestellt. Das ist a auch ganz einfach und steht auch nicht erst seit vorgestern fest.

Anders aber im kaum 5km entfernten Palästina.

Hier wird die Zeitumstellung mit einem definitiven Vielleicht irgendwann festgelegt. Und dann wird man schauen, wie es sich entwickelt. Und wann der beste Moment ist. Und Hauptsache nicht zur gleichen Zeit wie in Isarel.

Für die vielen Menschen, die auf der einen Seite wohnen und auf der anderen Seite arbeiten, beginnt dann das Leben in zwei Zeiten. So wie für mich auch. Aber auch die Leute, die nicht über die Grenze gehen, sind von diesen Verwirrungen nicht verschont. Die häufigste Frage diese Tage ist nun nicht mehr die nach dem Wohlergehen der Großfamilie oder wann man denn endlich heiratet und viele Kinder zeugt, sondern: israelische oder palästinensische Zeit?

Die Verwirrungen, die dann laufend zu einer Steigerung des üblichen Zeitmanagement- Chaos kommen, steigern sich in diesen Tagen um ein Vielfaches. So kommen Kollegen zu den Meetings nicht mehr die üblichen 20-30 Minuten zu spät, sondern 30-40 Minuten zu früh, weil sie dachten, dass es nach israelischer Zeit angesetzt war. Diese Situation ist dann so ungewohnt, dass manche gleich wieder gehen, weil sie denken, dass die Sitzung wohl schon zu Ende ist, da ja schließlich keiner mehr da ist. Oder sie kommen das erste Mal überhaupt pünktlich, da nach israelisher Zeit die Sitzung eigentlich schon seit einer Stunde laufen müsste, sie nach palästinensischer Zeit aber gerade erst beginnt.

Oder wie oben auf dem Ölberg im Auguste- Victoria- Compound, wo das Krankenhaus eine andere Zeit hat als das Café drei Häuser weiter.

Ich finde dieses System wohl ebenfalls sehr verwirrend, aber auch schön. Denn so bekommt man 2x eine Stunde geschenkt. Ich gehe jetzt immer erst um 8 in Jerusalem aus dem Haus und bin um 7.45 in Ramallah auf der Arbeit. Und dafür muss ich nicht ins Flugzeug steigen, sondern nur in den Bus und ein paar km gegen die Zeit fahren. Und das ist toll, denn eigentlich kann das  ja nur Werner…

Der öffentliche Nahverkehr ist eine tolle Sache und das auch hier in Israel und Palästina. Durch die geringen Entfernungen lohnt es sich hier kaum, das Wort „öffentlicher Fernverkehr“ überhaupt einzuführen. Eigentlich ist doch alles nah. Eigentlich.

Es sei denn, man ist ich und vergisst ab und an mal die Grundregeln der Teilnahme am ÖPNV und kommt – manchmal aber wirklich auch ganz unverschuldet – in irgendwelche Situationen rein.

Vor allem das Einschlafen ist so eine Sache. Da ich eine passionierte Auto- Schläferin bin, habe ich diese Gewohnheit auch nicht im ÖPNV abgelegt. Zu sehr werde ich nach kürzester Zeit von dem Geschaukel und Gebrumme ins frühkindliche Kinderwagenkoma zurückgewiegt. Der einzige Unterschied ist jetzt nur, das Mama und Papa mich nicht rechtzeitig aufwecken.

So wie neulich in Tel Aviv. Ich war noch mit einem Freund essen und wolle nicht so spät nach Jerusalem zurückkommen, da ich ja schließlich jetzt Teil der ordentlich arbeitenden Gesellschaftsschicht bin und früh aufstehen muss. Also stieg ich so gegen 23.30 in den Bus, der mich zum  Zentralen Busbahnhof bringen sollte, von wo ich mit dem Sammeltaxi heim wollte. Es sind 3 Haltestellen von meinem Einsteig bis dorthin und eine Fahrzeit von kaum 10 Minuten. Aber das reicht ja schon, auch wenn mir dieser Freund noch sagte: „Aber schlaf bloß nicht ein!“ Und so wachte ich irgendwann auf, schaute mich kurz um und erkundigte mich bei der netten Dame neben mir, wann denn wohl der Busbahnhof käme. Sie schaute mich etwas verwirrt an und sagte nur: „Schätzchen, hier gibt es sowas nicht.“ Da ahnte ich, dass irgendetwas nicht so ganz nach Plan lief und es wohl nicht die Schuld des Busfahrers war, dass ich mich nicht auskannte. Und so habe ich etwa 40 Minuten friedlich geschlummert, bis ich schließlich in Holon, einem Dorf ca. 10km südlich von Tel Aviv, aufwachte. Zu der Zeit fahren die Busse da nicht mehr so ganz regelmäßig zurück in die Stadt und so lungerte ich nächtens an der verlassenen Bushaltestelle in Hoffnung auf den letzten Bus herum. Und um die Uhrzeit den Freund noch anzurufen und mich abholen zu lassen, wo er mich doch extra noch vor mir selbst gewarnt hatte, wollte ich dann auch nicht… Aber die Menschen, die gelegentlich aus der Spielhalle gegenüber herausgestolpert kamen, leisteten mir etwas zweifelhafte Gesellschaft. Nun ja. Langer Rede kurzer Sinn – kaum 1,5h nach geplanter Zeit war ich dann am Busbahnhof angekommen und klappte mich im Sammeltaxi (die glücklicherweise die ganze Nacht fahren) zusammen. Und so kam ich gegen 2 Uhr morgens dann in Jerusalem an. Zum Glück muss ich da an der Endhaltestelle aussteigen und werde immer rausgekehrt. Wer weiß, wo ich sonst noch hingefahren wäre. Aber zumindest ein großes Schlafdefizit musste ich in dieser Nacht nicht verbußen…

Oder ein paar Tage später in Jerusalem. Da war es erst gegen 20 Uhr, als ich von Freunden vom Ölberg nach Hause fuhr. Um meinen aktuellen Wohnort in Shuafat im Nordosten Jerusalems zu erreichen, steige ich am Damaskustor um. Soweit so gut. Wieder beträgt die Fahrzeit kaum mehr als 10-15 Minuten. Und wieder nehme ich mir die Zeit für ein Schläfchen. Diesmal endet der Traum eine halbe Stunde später in einem Flüchtlingslager in Palästina. Als der Busfahrer sich an der Endstation umdreht, sind wir beide gleichermaßen überrascht, dass ich noch in diesem Bus sitze. Genauso wie die Leute, die an der Bushaltestelle stehen und mich durch die staubige Fensterscheibe interessiert anschauen. Da wurde ich einfach über die Grenze kutschiert, ohne es zu merken. Mit einem leichten Anflug von Panik durchwühle ich meine chaotische Tasche nach der Suche nach meinem Pass, ohne den ich nicht wieder zurück nach Hause käme. Wie so oft hatte ich auch jetzt mehr Glück als Verstand und ziehe ihn aus der untersten Ecke hervor, wo ich vergessen hatte, ihn nach der Arbeit rauszunehmen. Jetzt muss ich lachen vor Erleichterung und auf Grund der Tatsache, dass das jetzt schon das zweite Mal in dieser Woche ist, dass mir sowas passiert.  Das macht mich offensichtlich noch spannender, sodass ein paar Kinder in den Bus einsteigen und sich vor und neben mich setzen, um sich das mal aus der Nähe zu beobachten. Aber wenn man lange genug wartet, fährt auch hier wieder ein Bus nach Jerusalem zurück. Alhamdulillah!

Oder wie neulich im Ramadan. Diesmal in vollem Bewusstsein der Dinge. Der Qalandia- Checkpoint, der einzige Fußgängercheckpoint mit Anschluss an den ÖPNV zwischen Jerusalem und Ramallah, war wie so oft im Ramadan geschlossen worden. Morgens war der noch offen und nur der Autocheckoint geschlossen. Die Soldaten waren gut drauf und so durften Menschenmassen auf den normalen Straßen nach Palästina laufen und mussten sich nicht durch das Gittertunnelgewirr schlängeln. Raus geht es ja immer einfach… Auf dem Heimweg war die Lage dann genau umgekehrt. Mit dem einzigen Unterschied, dass sich nichts mehr bewegt hat. Die Autos standen kreuz und quer auf der 4- spurigen Straße und boten zusammen mit dem Hupkonzert ein Bild von geradezu rebellischer Schönheit. Voller Hoffnung stieg ich in eines der semi- legalen Sammeltaxis ein, rechnete aber nicht mit irgendeiner Bewegung in den nächsten Stunden und machte es mir schon mit meinem Buch bequem. Aber da hatte ich wohl die Willenskraft unseres Fahrers unterschätzt. Durch seine taktisch kluge Lage am linken Rand der Hauptstraße setzte er Zentimeter um Zentimeter, mit einer Hand dauerhaft auf der Hupe, mit der anderen wild gestikulierend und gelegentlich am Lenkrad, zurück. Und so bahnten wir uns den Weg durch eine Autowerkstatt, den Hinterhof eines Großmarktes für irgendwelche Konservendosen und eine relativ aufgebrachte Schafherde, bis wir schließlich in einen Steinbruch preschten, wo der Stein abgebaut wird, mit dem hier traditionell alle Häuser verkleidet werden. Mittlerweie hatten wir ganz gut Tempo drauf und da unser Fahrer wohl den Ehrgeiz hatte, uns quasi so schnell wie normalerweise nach Jerusalem zu bringen, raste er – interessanterweise immernoch wild hupend – auf dem schmalen Pfad durch den Steinbruch entlang. Völlig unbeeindruckt von den tiefen Rissen in dem Weg und dem steil abfallenden Abhang auf der linken Seite, stolperten wir so vor uns hin. Die Sonne war von dem aufwirbelnden Staub nicht mehr zu erkennen, aber es war auch nicht immer nur der Staub in meinen Augen, warum ich sie gelegentlich  fest schloss. Doch er wusste, was er tat. Denn schließlich kamen wir keine 5m vor dem nächsten Checkpoint heraus. So konnten wir uns gut hinter das nächste Auto drängeln und entkamen der ganzen langen Schlange, die sich so weit man sehen konnte Richtung Qalandia- Checkpoint dahinschlängelte. Ich muss sagen: es war schön, wieder in Jerusalem auf dem Boden zu stehen.

Mir fielen noch mehr Geschichtchen ein, aber sonst wird es noch länger und wird von niemandem mehr gelesen.

Vielleicht berichte ich ein anderes Mal von meinem ungewollten Casinogewinn an der Bahnhaltestelle, von den Streiks der Busfahrer in heimlicher Zusammenarbeit mit den Eisverkäufern, dem Umklettern der Straßenblockaden wütender Taxifahrer und geduldig wartender Menschen, mit denen man sich endlich mal wieder Zeit nimmt, in Ruhe ein Buch zu lesen,  über die Familie zu tratschen oder einfach mal ohne Sorge im Bus zu schlafen…

Für alle Freundinnen und Freunde der Landkarten gibt es auf dieser Website tolle und vielfältige Karten von Palästina, die von der UN von Anfang an auf Grund ihrer Beobachtungen angelegt wurden:

http://www.ochaopt.org/

Unter „Map Center“ kann unter den Kategorien

– Closure Maps

– Barrier Maps

– Stuation Maps

– Reference Maps

– Online Interactive Maps

– Other Maps

auswählen. So ist für jede/n was Spannendes dabei.

Natürlich gibt es auch zu vielen anderen Themen interessante Beiräge.

Viel Spaß mit dieser gleichermaßend spannenden wie schockierenden Seite.

Die ultraorthodoxen Juden hier in Israel ist eine Gruppe, deren Zugang mir bisher weitgehend verschlossen blieb.

Wenn man auf der Straße einem ultraorthodoxen Mann begegnet, wird der Blick abgewendet, die Augen zu gehalten oder die Straßenseite gewechselt. Und man trifft sie oft und überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit. Niemals würde man auf die Idee kommen, einen Religiösen dieser Ausrichtung anzusprechen oder ihm zu nahe zu kommen.

All das änderte sich für wunderbare 5 Minuten eines Nachts vor etwa 3 Wochen.

Ich kam gerade – viel zu spät – von einem wunderschönen Tag in Tel Aviv zurück und schlurfte halb schlafend durch das (im Gegensatz zu Tel Aviv) recht kühle Jerusalem nach Hause in die Altstadt. In den heißen Sommermonaten werden die Grünflächen rund um die Altstadtmauer  immer nachts gesprengt. Und das dann auch immer mehrere Stunden am Stück mit schlecht eingestellten Sprengern, die das Wasser, das es hier eigentlich gar nicht gibt, großzügig überall verteilen. Manchmal fallen auch einige Tropfen auf das Gras.

Und so lief ich den Weg hinunter zum Jaffator und wunderte mich über den Menschenauflauf an Ultraorthodoxen. Zu dieser späten Stunde sind zwar immer noch viele von ihnen unterwegs, aber sie eilen meist nur stumm und den Blick angestrengt auf den Boden gerichtet an einem vorbei in Richtung Klagemauer oder Yeshiva. So einen lauten Auflauf von beiden Geschlechtern zusammen habe ich noch nicht vorher zu Gesicht bekommen, da die Ultraorthodoxen auch untereinander jeden Kontakt mit dem anderen Geschlecht meiden.

Als ich ankam entdeckte ich schnell die Ursache dieser ungewöhnlichen Zusammenkunft. Einer der Wassersprenger war völlig außer Kontrolle geraten und spritze wild und ohne jedes System um sich herum. Auch die Regulierung der Wasserzufuhr schien komplett dahin zu sein, sodass sich in unreglmäßigen Abständen schiere Wassermassen auf die Umstehenden ergossen. Einige kreischten, andere lachten, Kinder sprangen jauzend in das kalte Chaos hinein, Schläfenlocken und Kippot wirbelten durch die Nachtluft. Viele schüttelten halb amüstiert den Kopf über diesen Ausbruch an Lebenskraft, der so gar nichts mit Gott zu tun zu haben schien und entsprechend machen vollkommen fremd war.

Nach einer Weile war die Menschentraube so groß geworden, dass sich die vorderen Reihen genötigt fühlten, den Angriff gegen das ungebändigte Wasssermonster aufzunehmen. Da akrobatischer Flic Flac offensichtlich kein Teil der religiösen Ausbildung ist, machten sich manche der Erwachsenen etwas unbeholfen an den Absprung, woebi ihnen jedoch durch ihre schwarzen Mäntel und großen Hüte doch eine gewisse Eleganz verliehen wurde. Nach einigen mehr oder weniger erfolgreichen Trockensprüngen meiner Vorgänger machte ich mich dann auch schon zum Abheben bereit, als mich ein ultraorthodoxer Jude von der Seite etwas unsicher zu mustern begann. Von dieser verhätnismäßig dreisten und tollkühnen Aktion ein bisschen überrascht (da ich natürlich sonst niemals – nicht mal in meinen Shabbatklamotten, geschweige denn in meinem unkeuschen Strand- und Tel Aviv- Outfit  – direkt angeschaut werde), traute ich mich dann auch, ihn erstmal auf Hebräisch anzuquatschen und sagte so viel wie: das ist ja lustig. Er nickte fleißig, schaute mich nochmal kurz von oben bis unten an, blieb dann an meinen Flipflops hängen und beschloss offensichtlich, dass ich damit nicht einen dieser waghalsigen Sprünge machen könnte. Da seine fast schon draufgängerische Art doch nicht so weit ging, eine Frau – und dann auch noch eine aus seiner Sicht natürlich unreligiöse – anzusprechen, nahm er mich kurzerhand am Arm, stellte sich heldenhaft vor den umherspritzenden Wasserschlauch, der eifrig nasse Muster in seinen schwarzen Mantel malte, und zog mich auf der quasi sicheren Seite an sich vorbei. Bis auf wenige Tropfen am Fuß wurde ich auch in der Tat nicht nass. Als ich mich zum Bedanken umdrehte, hatte er schon den Blick wieder strikt auf den Boden gerichtet und eilte wortlos an mir vorbei. Aber zumindest für einen kurzen Moment hatte sich die fest verschossene Tür in die Welt der Ultraorthodoxen einen ganz kleinen Spalt geöffnet.

… habe ich heute meinen Rückflug gebucht. Ein One- Way- Ticket am 28.09.2012 zurück nach Deutschland.

Tja, wir werden ja sehen. Und jedem Anfang wohnt ja ein Zauber inne. Oder so…

Mit dieser Organisation habe ich auch vor einigen Monaten eine Tour gemacht. Hier wird ihre Arbeit auf ARD vorgestellt:

http://www.ardmediathek.de/das-erste/weltspiegel/israel-das-schweigen-brechen?documentId=11137022

„… und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt! Hierauf haltet das Fasten durch bis zur Nacht.“ (Koran, Sure 2)

Heute ist der erste Tag im Ramadan, der Fastenzeit, die zu den 5 Säulen des Islam gehört und wo die gläubigen Moslems den Tag über nichts essen und trinken.

Das ist bei den üblichen 40°C hier sehr hart.

Unsere muslimischen Kolleginnen und Kollegen kommen den nächsten Monat jetzt immer früher zur Arbeit, damit sie auch schon früher wieder gehen können, da ja vor allem die Nachmittagszeit kurz vor dem Fastenbrechen in der Hitze  sehr anstrengend ist.

Auch die Altstadt in Jerusalem ist tagsüber  merklich ruhiger. Manche, die es sich leisten können, öffnen ihre Läden nur ab und zu; andere liegen halbkomatös in der hintersten Ecke und lassen sich von einem Ventilator anpusten.

Die Stimmung auf den Straßen und vor allem an den Checkpoints wird gereizter und agressiver und wenn man 3h ohne zu Trinken an der Grenze steht, kann man das auch nur verstehen.

Dafür werden die Nächte zum Tag. Alles ist mit bunten Lichterketten und blinkenden Sternen, Monden und Kerzen geschmückt. Und nur manchmal kann man den Eindruck gewinnen, dass die Händler einfach die Weihnachtsdeko 2x im Jahr auf den Markt bringen… Am Damaskustor ist so viel Betrieb, dass oft kein Durchkommen mehr ist zwischen all den Ständen, die Süßigkeiten, bunte Blinklichter, Kebab, gefälschte Uhren oder sonst etwas sinnvolles verkaufen. Die ganze Nacht wird ununterbrochen Feuerwerk abgeschossen. Und gegesssen. Und getrunken. Und sich gefreut. Und am nächsten Tag wieder gearbeitet.

Am 19. August ist der Ramadan vorbei. Das Ende der Fastenzeit wird mit einem Fest begangen („Iftar“- kleines Fest), wo man Grüße versendet und Besuch empfängt.

Auch bei uns auf der Arbeit in Ramallah ist die Zeitzone in vor- Ramadan (viel und alles und immer und gleich), Ramdan (wenig und am besten nichts und wenn dann erst nach Ramadan) und nach- Ramadan (noch mehr und alles und immer und sofort) eingeteilt. Während des Iftar besuchen wir andere Kollegen und bekommen Besuch und essen und feiern zusammen.

Es ist sehr schön, das alles jetzt mehr aus der Innenperspektive zu sehen, da ich ja das letzte Jahr (und entsprechend auch den letzten Ramadan) fast ausscließlich in der israelisch- jüdischen Gesellschft integriert war. Das ändert sich monentan und da freue ich mich sehr drüber. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen noch alles kommt…